Défense des enfants international
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Editorial
Leïla Kramis

  
[ Bulletin DEI, März 2009 Band 15 Nr 1 S.2 ]


Die traditionelle Aufgabenteilung, die den Mann in der Rolle des Ernährers sieht und der Frau Haushalt und Kindererziehung überlässt, wurde im Laufe weniger Jahrzehnte umgeworfen. Heute arbeiten in Europa über 70 % der Frauen. Dies ist nicht nur die Verwirklichung eines Grundrechts – der Chancengleichheit – sondern darüber hinaus auch ökonomische Notwendigkeit für viele Haushalte. Daraus ergeben sich neue Formen der Familienorganisation und besonders der Kindererziehung und -betreuung. Einige europäische Staaten (die skandinavischen Länder, Frankreich,…) haben diese Entwicklung nicht nur rasch verstanden, sondern auch sofort begriffen, dass sie in ökonomischer, sozialer und kultureller Hinsicht unterstützenswert ist, und ihre Sozial- und Familienpolitik entsprechend angepasst. Die Schweizer Bemühungen diesbezüglich befinden sich bedauerlicherweise noch in den Kinderschuhen. Ein Bericht der UNICEF macht deutlich, dass die Schweiz bei der Kleinkindbetreuung weit hinter ihren europäischen Nachbarn zurücksteht.

Das Rückgrat der Familienpolitik, die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung, ist in der Schweiz noch immer ein höchst sensibles Thema. Im Jahr 2005 legte eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) offen, dass das Betreuungsangebot für Kinder gerade einmal 40 % der Nachfrage abdeckt. Vier Jahre später scheint sich die Situation trotz lobenswerter Bemühungen und zusätzlicher Mittel nicht verbessert zu haben. Die Nachfrage steigt unaufhörlich weiter, und das Angebot wird ihr nicht gerecht. Die Schweiz hat hier zu lange gezögert und nun einen enormen Rückstand aufzuholen.

Wie wirkt sich der Mangel an familienergänzenden Betreuungsplätzen in unserem Land konkret aus? Den Familien, die bei der Geburt ihres Kindes in den Genuss eines kostbaren Krippenplatzes kommen, werden eine hochwertige Betreuung und beachtliche pädagogische, ernährungswissenschaftliche und medizinische Hilfen zuteil, eingebettet in eine vom Staat regulierte, überwachte und subventionierte Struktur. Die übrigen – und das sind laut aktuellen Studien die Mehrheit – müssen sich mit informellen Lösungen durchschlagen, denn sie bekommen keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Wer Glück hat, kann Grosseltern und Freunde einspannen oder eine staatlich anerkannte Tagesmutter engagieren. Den anderen bleibt nichts anderes übrig, als sich an schwarz arbeitende Tagesmütter zu wenden. Diese mögen sich zwar ebenso aufopfernd kümmern, verfügen jedoch weder über eine Ausbildung noch sind sie in die Rahmenstrukturen eingebunden, und sie arbeiten zu Niedriglöhnen am Rande des Existenzminimums.
Wir haben es also mit einem Zweiklassensystem zu tun. Einigen wenigen Kindern kommen Hilfen von offiziellen Trägern zugute, die perfekt auf ihr Wohlbefinden, ihren Schutz und ihre Entwicklung zugeschnitten sind. Die restlichen müssen sehen, wo sie bleiben. Der Schweizerische Staat ist nicht imstande, Erziehung und Betreuung für die Mehrheit seiner Kleinkinder zu gewährleisten.

Es müssen schleunigst Lösungen gefunden werden. Leider fehlt diesem Anliegen eine treibende politische Kraft. Der Bund, die Kantone und die Kommunen schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Krippen sind sicher die Ideallösung, aber ihre Einrichtung ist langwierig und streng festgelegt. Deshalb können Sie nicht als einziges Mittel gelten, um dem Mangel an Betreuungsangeboten zu begegnen. Es gibt weniger kostspielige und weniger aufwändige Alternativen: familienbegleitende Kinderbetreuung, Tagesmütter (ausgebildet, kontrolliert und subventioniert), Kinderbetreuung im Haushalt. Die Einführung eines Elternurlaubes könnte ebenfalls zur Lösung des Problems der Kinderbetreuung beitragen. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Das Wohlergehen unserer Kinder hängt davon ab.








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